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Ein Erfahrungsbericht,der unheiligen"Dreifaltigkeit"

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(@johndoe)
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Themenstarter  

An den geschätzten Leser,

Seit nunmehr vierzehn Monaten begleitet mich eine ungewöhnliche Praxis: die Einnahme von Zaubertrüffeln in Mikrodosen. Anfangs nahm ich sie täglich, reduzierte die Häufigkeit jedoch schon nach zwei Monaten erst auf wöchentliche, dann auf monatliche Intervalle. Mittlerweile folge ich keinem festen Rhythmus mehr; ich greife nur dann zu ihnen, wenn ich das Gefühl habe, es sei an der Zeit – was sich erfahrungsgemäß alle sechs bis acht Wochen einstellt.

Die Wirkung auf mein Leben war durchweg positiv: eine tiefere innere Ruhe, eine verlässliche Impulskontrolle, ein spürbar gemilderter Hang zu depressiven Episoden – und vieles mehr. Für mich, der mit ADHS lebt, war diese Veränderung von besonderer Bedeutung. Und doch schwang stets eine leise, aber hartnäckige Angst mit: die Furcht, ich könnte, wie manche unter LSD, die Verbindung zur Realität verlieren – und nicht mehr zurückfinden.

Wer Menschen kennt, deren dopaminerges System anders arbeitet, weiß um ihre oft unerschöpfliche Kreativität, die jedoch nicht selten mit mangelnder Impulskontrolle einhergeht (ADHS) . So entstand in mir die gleichermaßen kühne wie gefährliche Idee, meine Dosierung drastisch zu erhöhen – zunächst auf das Zehn-, dann das Fünfzehn- und schließlich das Einunddreißigfache einer Mikrodosis. Getrieben von Neugier wollte ich endlich jenen Berichten von leuchtenden Farben und fremdartigen Visionen nachspüren.

Doch zunächst kam die Ernüchterung: Anstelle bunter Halluzinationen übermannte mich eine bleierne Müdigkeit, die mich ins Bett zwang. Zwar waren meine Träume ungewöhnlich klar, und die Tage danach geprägt von einer fast unheimlichen Intuition und einer neuen Sensibilität – doch fehlte mir das, was ich erwartet hatte. Eine Begebenheit im vergangenen Sommer verdeutlichte mir diese veränderte Wahrnehmung besonders eindrücklich.

An einem Badesee lag ich entspannt auf meinem Handtuch und sog die Atmosphäre tief in mich auf: die wärmende Sonne, den sanften Wind auf meiner Haut, das ausgelassene Treiben von Kindern und Hunden im Wasser, das feine Kitzeln des Sandes unter meinen Füßen. Inmitten dieser vollkommenen Ruhe setzte sich unvermittelt ein Vogel neben mich. Immer wieder sah er mich neugierig an. Ohne Hast, doch voller innerer Klarheit, streckte ich meine Hand aus – begleitet von dem stillen Gedanken: „Warum setzt du dich nicht einfach darauf?“ Und genau das geschah. Nach kurzem Zögern fasste der Vogel Vertrauen und ließ sich auf meiner Hand nieder. Kein Futter lockte ihn, er verweilte einfach, blickte mich ruhig an – so als wäre dieser Moment selbstverständlich. Mein Verstand wollte in ungläubige Begeisterung ausbrechen, doch mein Inneres blieb von tiefer, klarer Ruhe erfüllt. Für einige Minuten existierte nur diese stille, innige Verbindung zwischen uns, bis meine kleine Tochter, die Szene erblickend, aufgeregt heranlief: „Papa, Papa, was hast du da in der Hand?“ Da flog der Vogel davon. Doch ich empfand kein Bedauern. Vielmehr erschien mir diese Begegnung zugleich fremd und doch vertraut, und seit jenem Tag spüre ich die Emotionen anderer Wesen mit einer bis dahin ungekannter Intensität.

Wenige Monate später bot sich die Gelegenheit für einen Urlaub mit meinem besten Freund – dem idealen Rahmen, um, fern von Familie und Alltag, eine deutlich höhere Dosis zu erproben. Mein Freund, auf diesem Gebiet erfahren, begleitete mich. Eines Abends nahm ich zunächst 15 Gramm Zaubertrüffel. Als nach zwei Stunden kaum eine Wirkung einsetzte, folgten weitere 15 bis 20 Gramm Zauberpilze, begleitet von DMT und Marihuana aus dem Vaporizer.

Und dann begann es.

Plötzlich sah ich die Welt in unvorstellbarer Klarheit, wie in HDR – mitunter sogar in Schwarz-Weiß, als hätte ich die Filter einer Kamera durchlaufen. Alles war zugleich faszinierend und überwältigend. Meine Augen schienen über einen Zoom zu verfügen, mein Gehör war geschärft, mein Körperbewusstsein intensiver als je zuvor. Als mir die Intensität zu groß wurde, legte ich mich ins Bett – und dort begann die eigentliche Reise.

Vor meinem inneren Auge entfalteten sich neon-grüne Muster, durchzogen von pinken und roten Blitzen. Dann verwandelte sich die Erfahrung in ein phänomenales "ROLLEN SPIEL" welches in nichts meiner eigenen "aktuellen Existenz nach steht: Ich schlüpfte in die Existenzen unzähliger Menschen, vielmehr war ich kurzweilig jeweils dieser Mensch, aus verschiedensten Epochen. Für Augenblicke war ich reicher Kaufmann, armer Bettler, Soldat, Bauer, Koch oder Schmied, mit all ihren Erfahrungen, Gedanken und Gefühlen – jedes Mal ganz und gar dieser Mensch. Dieses rastlose „Menschen-Zapping“ wiederholte sich gefühlt hunderte Male und ließ mich atemlos und überwältigt staunen.

Schließlich schien ich das Universum selbst zu verlassen und auf eine andere Ebene des Seins zu gelangen. Dort erlebte ich Liebe in einer bislang unvorstellbaren Reinheit und Intensität – als wäre ich zugleich allmächtig und all-liebend. Inmitten dieser Ekstase erinnerte ich mich an die Warnung von Lili: „Mische niemals Marihuana und Pilze.“ Angst durchzuckte mich kurz. Doch ein anderer Satz von ihr rettete mich: „Jeder Trip geht irgendwann vorbei.“ So ließ ich geschehen, was geschah. Mein Ego löste sich vollständig auf – bis ich, nach einer gefühlten Ewigkeit, wieder in mein vertrautes Selbst zurückkehrte.

Und nun? Alles ist anders. Ich bin ruhiger, klarer, gefasster als je zuvor. Diese ungeahnte Klarheit hält nun seit neun Wochen ununterbrochen an.

Deshalb möchte ich hier meinen Dank aussprechen – an Lili und all jene, die mich begleiten, und nicht zuletzt an das Universum selbst, das mir diese tiefgreifenden Erfahrungen geschenkt hat.

Mit herzlichen Grüßen
alias JohnDoe



   
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